Rechtsextremisten scheiterten in Siegburg und Sankt Augustin


Zeitungsartikel von Schülern des Rhein-Sieg-Gymnasiums:
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Rhein-Sieg-Gymnasium macht aktiv gegen Rechts


Wissen Sie noch, was am Samstag, den 2. September, in Siegburg und Sankt Augustin los war? Nein?!? Dann ist es ja gut, daß Sie hier vorbeischauen. An diesem ersten September-Samstag im neuem Jahrtausend war eine Demonstration des rechtsextremen "Bündnis für Deutschland", kurz "Deutschland". Einige kleine Gruppen reagierten sofort und organisierten für die breite Masse der Bevölkerung Gegendemonstrationen, die auch sehr gut besucht waren. Ein Großteil unserer Gesellschaft ist zum Glück nicht bereit, sich solche Umzüge hinter verschlossenen Fenstern mitanzusehen, sondern geht lieber auf die Straße, um der Welt und den rechten Gruppierungen ihre Meinung zu diesen "Deutschen" durch Gegendemonstrationen kundzutun.
Eine dieser "kleinen" Gruppen bestand aus der Schülervertretung (SV) des Rhein-Sieg-Gymnasiums in Sankt Augustin. Die SV des RSG hatte ein ganz besonderes Anliegen eine Gegendemonstration zu veranstalten, wie aus den folgenden Berichten hervorgeht.

Für diesen Demonstrationszug wurden 2000 Polizisten abkommandiert und ein einziges Verkehrschaos durch viele Absperrungen verursacht um diese, im Endeffekt gerade mal 16 Mann starke Truppe, vor eventuell Gewalttätigen Gegendemonstranten zu schützen. Das kostet unglaublich viele Steuergelder und schürt den Unmut der benachbarten Bevölkerung.

Und das alles passiert, obwohl wir seit längerem darum bemüht sind, sobald wie möglich die Städtepartnerschaft mit der israelischen Vorstadt von Jerusalem, Mevaseret Zion, einzugehen.

Um diese sehr positive Reaktion der Bevölkerung festzuhalten und um daran zu erinnern, daß in unserer Gesellschaft und in unserer schönen multikulturell-blühenden Region immernoch Personen gibt, die am rechtsextremen Gedankengut festhalten, haben wir diese Seite aufgebaut, wo gesammelte Zeitungsberichte und eigens geschriebene Artikel zu diesem Samstag, der hoffentlich nie wieder wiederholt wird, anbieten.
Einen Kommentar, der im General-Anzeiger abgedruckt war, möchte ich an dieser Stelle noch zitieren:

"Menschen sind Menschen. Aber diese Menschen benehmen sich unmenschlich."
Sarah Fassbender, Schülerin



Autor: Fabian Baumgarten, SV-RSG



Eine Schülersprecherwahl der besonderen Art


Am Rhein-Sieg-Gymnasium stand die Schülersprecherwahl dieses Jahr unter "braunem" Himmel! Neben zwei Kandidatinnen der SV stand auch ein weiterer Schüler der Jahrgangsstufe 11 zur Wahl. Es handelte sich um niemand geringeren als Sascha J. H., der schon im Vorjahr durch seine rechtsextremen Ansichten aufgefallen war. Nach einem nicht mit der SV abgesprochenen Brief an die Landesschülervertretung in dem seine rechtsextremen Auffassungen deutlich wurden, wurde er als Politik-Beisitzer der SV abgesetzt.

Schon am Vorabend der Schülervollversammlung machten unbekannte Schüler ihren Unmut gegenüber Sascha J. H. deutlich. Sie hingen ca. 600 Plakate mit dem Schriftzug "Wir wollen keinen rechtsextremen Schülersprecher" in der Schule auf.
Am Tag der Wahl waren mehrere Lokalzeitungen wie auch das WDR-Fernsehen anwesend, um über diese "besondere" Schülersprecherwahl zu berichten.

Während sich Sascha J. H. vorstellte hielten die Schüler immer wieder besagte Plakate hoch. Am Ende seiner Vorstellung konnte er gezielte Fragen aus der Schülerschaft zu seiner "politischen Heimat" nicht zufriedenstellend beantworten. Am Ende kam denn auch ein eindeutiges Wahlergebnis zustande. Während die Kandidatinnen der SV zusammen ca. 900 Stimmen bekamen, entschieden sich für Sascha J. H. gerade mal 8 Schüler.

Damit war dies wohl das eindeutigste Wahlergebnis in der Geschichte des RSGs.

Die Schülervertretung zeigte sich hoch zufrieden mit diesem Ergebnis, "da die Schüler deutlich gemacht haben, daß sie den Ruf der Schule als `braune Hochburg' gar nicht erst aufkommen lassen wollen!".


Autoren: Fabian Baumgarten und Lukas Röhnelt



Rhein-Sieg-Gymansium veranstaltet Gegendemo


Veranlaßt durch die rechtsextreme Demonstration, organisiert von Helmut Fleck und Sascha J. H., gegen "Ausländerkriminalität" und "Drogen an deutschen Schulen", entschloß sich die Schülervertretung des Rhein-Sieg-Gymnasiums eine Gegendemonstration zu Veranstalten.

Es blieb gerade noch 1 Woche für die Vorbereitungen. Der Antrag zur Gegendemonstration wurde vom Direktor des RSG´s  trotz der zuerst gemachten Zusage doch nicht unterschrieben, da er seiner Meinung nach die Verantwortung für eine solche Verantwortung nicht übernehmen könne.

Doch die SV gab nicht auf, und fand in Person von Annegret Breinlich, Sprecherin der Günen, die Rettung der Gegendemo. Sie unterschrieb den Antrag, und wurde somit zur Veranstalterin der Aktion. Die SV des benachbarten Albert-Einstein-Gymnasiums beteiligte sich daraufhin dann auch.

Außer Annegret Breinlich von den Grünen fanden sich auch Vertreter anderer Parteien als Redner. Für die FDP trat Frau Jung ans Mikrophon, für die CDU Herr Heckerroth und für die SPD sprach Frau Klein.Außerdem hatte die Gegendemo ausgezeichnete musikalische Unterstützung. Die bekannten Lokalmatadoren "Lyroholica" und die, zum Großteil aus Schülern des RSG bestehende die Band "Vapid Fool" traten auf.

Dank der großen Resonanz kann man die Aktion "Schüler gegen Rechts" als vollen Erfolg betrachten, auch wenn die rechtsextreme Gruppe nicht bis zu ihrem Kundgebungsziel St. Augustin durchkam.

Bevölkerungsmassen gegen 16 rechtsextreme Mannen, das hatten sie sich bestimmt anders vorgestellt.



Autoren: Fabian Baumgarten und Lukas Röhnelt



Schülersprecherwahl 2000, ein Bündnis gegen Rechts


Die Schülersprecherwahl am 24.08.2000 hatte für das Rhein-Sieg-Gymnasium eine besondere Bedeutung. 2 Schülerinnen und 1 Schüler der Jahrgangsstufe 11 waren angetreten, um für das höchste Amt innerhalb der SV zu kandidieren. Dies war zunächst nicht ungewöhnlich. Den Stein des Anstosses jedoch gab die Kandidatur des Schülers, dessen Mitgliedschaft in der Partei "Bündnis für Deutschland-Deutschland" allgemein bekannt war und über dessen Aktivitäten im Rahmen der Planung einer Großdemonstration gegen "Bildungsnotstand, Ausländerkriminalität und Drogen an deutschen Schulen" die Lokalpresse fast täglich informiert hatte. Die gesamte RSG- Schulgemeinde und der städtische Träger zeigten sich sehr beunruhigt und betroffen über diese besagte Kandidatur. Nicht nur das Image unserer Schule stand auf dem Spiel, sondern auch unsere Glaubwürdigkeit als demokratische Bildungs- und Erziehungseinrichtung mit festen ethisch-moralischen Grundwerten. Seit 33 Jahren bietet das RSG seinen Schülerinnen und Schülern viel Raum zur Selbstverwirklichung, jedoch kein Forum für extrempolitische Ansichten und Aktivitäten, egal ob von links oder rechts.

Die Schulleitung stand unter Druck. Vor allem stand sie vor der schwierigen Aufgabe, einerseits die vielseitigen Irritationen, Ängste und auch Unmutsbekundungen zu kontrollieren, andererseits die SV bei der ordnungsgemäßen Durchführung der Vollversammlung zu unterstützen, denn schließlich sollten alle drei Kandidaten für das Amt des Schülersprechers die gleiche und faire Chance bekommen, im einzelnen ihre Programme und Ziele der gesamten Schülerschaft vorstellen zu können.

Das Ergebnis der Schülersprecherwahl war eindeutig, und obwohl 8 Stimmen für Rechts immer noch 8 zu viel waren, kann unsere Schule mit diesem Ergebnis gut leben.

Es bleibt festzuhalten, daß das RSG eine sehr große Chance hatte - und diese auch konsequent nutzte - Formen und Gefahren des Rechtsextremismus aufgrund unserer eigenen Betroffenheit in allen Klassenstufen, von Jahrgangsstufe 5 bis 13, ausführlich im Unterricht und auf dem Schulhof zu thematisieren, kritisch zu reflektieren und darüber zu diskutieren.

Es bleibt festzuhalten, daß das Rhein-Sieg-Gymnasium mit seinen am aktiven politischen Prozeß beteiligten Schülerinnen und Schülern weder den Kopf in den Sand steckte noch extrempolitische Gegenheiten gezielt zu ignorieren versuchte getreu dem Motto "die Probleme lösen sich schon ganz von selbst". Festzuhalten ist, daß eine ganze Schulgemeinde Flagge zeigte, deutliche Signale setzte gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt, sich nicht hinter Paragraphen versteckte und auch nicht jenen Verharmlosungsstrategien verfiel, die unser heutiges Gesellschaftsbild immer vordergründiger prägen: Indifferenz und sich möglichst bequem aus der Verantwortung ziehen.

Die von der SV veranstaltete Aktion "Future Together Now" am 26.08.2000 als Gegenaktion zu der zu diesem Zeitpunkt bereits angelaufenen "Großdemonstration" von "Bündnis für Deutschland-Deutschland" war die konsequente Fortsetzung aller vorher an unserer Schule durchgeführten Aktivitäten.

Die Berichte und Dokumentationen der Lokalpresse und des WDR waren eindeutig, die unzähligen Reaktionen aus dem In- und Ausland waren ebenso eindeutig. Es bleibt abzuwarten, wie unsere Freunde aus Mevasseret, Israel, auf die Vorkommnisse an unserer Schule reagieren werden. Zumindest können wir ihnen noch in die Augen schauen.


Autor: Jürgen Franz (Schulleiter des Rhein-Sieg-Gymnasiums)



    


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